Lehrer prägen in allen Alterstufen wesentlich das Leben eines Menschen mit.
Ich hatte das Glück, in allen vier Klassen der Grundschule - in Wien - ein und die selbe Lehrerin zu haben, die wir alle in der Klasse vier Jahre lang verehrten. Ich denke noch heute gerne an diese Zeit zurück.
In der höheren Schule wechselten die Lehrkräfte während meiner ersten 2 Jahre an der Oberschule in Wien, die jetzt wieder Beethoven Oberrealschule heißt, kriegsbedingt (1942 – 44) sehr oft. Ich habe daran, außer einer sehr negativen, aber nur kurzzeitigen Erfahrung, deshalb weiter keine Erinnerung. Später, am Domgymnasium in Freising, machte ich die Erfahrung, die wohl alle Schüler machen, daß es gute und weniger gute Lehrer gibt. Aber an die guten Lehrer erinnere ich mich noch immer gerne, vor allem die in den Fächern, Deutsch, Latein und Mathematik/Physik. Diese Lehrer waren auch alle in der gesamten Klasse immer hoch geachtet.
Während meines Studiums von Physik, Chemie, Mathematik,
später auch noch Physikalische Chemie machte auf mich in der ersten Zeit
in München besonders Professor Walther Gerlach (berühmt geworden durch
den „Stern-Gerlach-Versuch, dem experimentellen Nachweis der Richtungsquantelung))
sowohl menschlich wie fachlich einen bleibenden Eindruck. Einen vergleichbaren
Eindruck hat zu der Zeit und auch später, bis zu meiner Promotion, kein
Hochschullehrer mehr gemacht, auch wenn darunter Professoren waren, denen ich
solide fachliche Kenntnisse verdanke. Das gilt vor allem für meinen Doktorvater,
Professor Erich Lange, ohne den ich wohl das Schicksal vieler Physiker hätte
teilen müssen, die Thermodynamik, vor allem die chemische Thermodynamik,
nie richtig verstanden zu haben.
Ich erinnere mich speziell immer noch gerne zweier Professoren aus der Münchner Zeit, die mir Bleibendes auf dem Gebiet der Kunst mitgegeben haben. Das war Professor Hans Sedlmayer in Kunstgeschichte (berühmt geworden durch sein Buch „Verlust der Mitte“) und Professor Walter Rietzler in seinen Vorlesungen über die Musik Beethovens.
Den größten Einfluß in meinen Münchener Studienjahren hatte aber auf mich mein Onkel Dr. Hans W. Hagen, der Bruder meiner Mutter. Er war Germanist und Kulturgeschichtler. Ihm verdanke ich nicht nur ein sachkundige Eindringen in alle Bereiche der Kunst, sowie Kontakte zu damals maßgeblichen Künstlern in München. Ihm verdanke ich vor allem das Denken in geistigen Zusammenhängen – und im übrigen, von einem Freund von ihm, meine erste Begegnung mit der Harmonik an Hand des Büchleins „Vom Klang der Welt“ von Hans Kayser.
Von vergleichbarem menschlichen und geistigen Einfluß
war dann, wesentlich später(in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre)
meine Begegnung mit Karlfried
Graf Dürkheim. Von ihm lernte ich vor allem die Bedeutung der Stille
für das personale Reifen und in diesem Zusammenhang das Üben von Za
Zen Meditation, die ich auch heute nach rund 30 Jahren noch regelmäßig
pflege. Ich habe alle seine Bücher, inzwischen meist mehrfach, studiert
und verdanke der persönlichen Begegnung mit ihm in seiner „Existential-psychologischen
Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte“ (im Hoch-Schwarzwald)
das Verständnis und das Erlebnis der immer neuen inneren Verwandlung.
Menschen, die ich zu meinen Lehrern zähle, obwohl ich ihnen nie persönlich
begegnete, wurden für mich durch ihre Bücher vor allem: Antoine de
Saint-Exupéry, Teilhard de Chardin, Carl Friedrich von Weizsäcker
und Konrad Lorenz.