Weggefährten

Meine ersten und, Gott sei Dank, langjährigen guten Weggefährten waren meine Eltern.Ihnen verdanke ich geborgene Kinder- und verständnisvolle Schülerjahre. Vor allem aber verdanke ich Ihnen die Förderung meiner geistigen Entwicklung in wunderbarer Freiheit von aller intoleranten Einengung.
Ich bin auch bis heute dankbar für die Wegbegleitung durch meine beiden Brüder, der eine ein Jahr, der andere 10 Jahre jünger. Es ist sicher der großzügig toleranten Wertevermittlung meiner Eltern zu verdanken, daß wir alle drei bis heute gut verstehen und ergänzen.

Der wunderbarste und bis heute treueste Weggefährte war und ist meine Frau.

Der wichtigste Wegbegleiter während meiner Studentenzeit, war der Bruder meiner Mutter und mein Patenonkel, Dr. Hans W. Hagen, von dem ich im Kapitel „Meine Lehrer“ berichtete. Ich könnte auch Karlfried Graf Dürkheim, von dem ich ebenfalls im Kapitel „Meine Lehrer“ berichtete, als meinem Weggefährten sprechen, auch wenn ich ihm persönlich nur zwei Wochen lang begegnet bin.
Und schließlich muß ich noch einen Weggefährten erwähnen, den ich überhaupt nie persönlich kennen lernte, der mich aber in seinen Werken seit nun über 40 Jahren begleitet. Es ist Hans Kayser, der Neubegründer der pythagoreische Harmonik, über dessen Werk und Bedeutung ich unter „Harmonik“ im Kapitel „was ist Harmonik?“ berichte.
Ich muß aber hier noch eines Menschen gedenken, mit dem mich eine geistig ungemein fruchtbare Freundschaft bis zu seinem Tod verband. Dies ist der Musiker und Komponist Gottfried Müller, den ich in den 1970er Jahren in Nürnberg kennen lernte und leider schon 1993 durch seinen Tod verlor.
Von ihm stammt der Ausspruch:

„Die Musik ist heilig“,
wenn wir sie als eine mythische und
ethische Wirklichkeit erfahren:
wägend, wagend, verwandelnd.

Sie ist Leben, das sich selbst belauscht:
darin wohnt ihre Erinnerungsmächtigkeit.

Sie ist eine Brücke ins Schweigen:
darin waltet ihre Zukunftsträchtigkeit.

Sie ist Wiedergewinnung der Freude:
darin währt ihr Verkündigungsauftrag.

So spannt sie über den Abgrund des Unvereinbaren
den Bogen des Bejahens.

Ich verdanke ihm nicht nur sehr viel zum Verständnis der Musik von J.S.Bach und W.A. Mozart und wunderbare gemeinsame musikalische Abende bei ihm zuhause. Ich verdanke ihm vor allem die Begegnung mit einem Menschen von einmalig menschlichem und künstlerischem Ernst.